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Tischgespräche

am 05. Mrz 2013, in Allgemein

Am Küchentisch

Open Hair

So lautet der Titel eines Textes der Kolumne Tischgespräche, gesendet bei SR2 Kulturradio von 2002 bis 2003. Tischgespräche – vier Freundinnen am Küchentisch. Frech-frivol. Aus dem Leben gegriffen.

Über ein Jahr, von 2002 bis 2003, wurde die Kolumne Tischgespräche unter dem Namen Bartenschlager bei SR 2 KulturRadio vierzehntäglich gesendet. Das Format Tischgespräche, als eine Mischung aus Ich-Erzählung und vierköpfigem Dialog hat sich im Laufe der Sendung heraus  kristallisiert. Die Themen sind aus dem Leben gegriffen, aus dem Leben des real existierenden Freundinnenkreises A, K und S plus die Autorin. Im Einklang mit dem Jahresrhythmus, von Weihnachten über Valentinstag zu Frauentag und  hochsommerlicher Freizeitgestaltung, setzen sich die meist unbemannten Mittdreißigerinnen mit dem zentralen Thema „Männer“ auseinander. Die Autorin spricht die Texte selbst. Ca. 40 Kolumnen-Texte liegen vor.

Open Hair

„Wie fünfundzwanzig,
Mädels, wir werden uns zehn Jahre jünger fühlen!“

Mit einem Strahlen blickt S in die übliche Tischrunde. Ich muss sagen, S sieht wirklich blendend aus, mit ihrem knappen T-Shirt, den frechen Zöpfen und dem stramm durchgedrückten Kreuz, das den Busen fast auf den Tisch springen lässt.

„Und ich“, platzt jetzt K, ebenso strahlend dazwischen, „hab mir sogar nen Nietengürtel gekauft!“

Schon springt K auf und dreht sich, saftig in den Hüften wiegend, um die eigene Achse. Ihr Neuerwerb glitzert am Bund einer knatsch-engen Lederhose, die den Hintern drall zusammen drückt.

Ehrfurcht und ein winziger Hauch Neid liegen in dem Blick, mit dem A und ich unsre beiden jugendlichen Freundinnen betrachten. Was so ein bisschen Vorfreude ausmacht.

Nächstes Wochenende fahren K und S zu einem dreitägigen Open-Air-Konzert. So richtig mit Zelt, Dreck und unrasierten Achseln. Wie eine Verjüngungskur soll der bewusste Verzicht auf zivilisatorische Errungenschaften wirken. A und ich fahren nicht mit.

„Drei Tage ohne Schmink-Koffer, Wattepads und Nachtlotion und ich seh aus wie fünfundvierzig. Nee Mädels, das ist nix für mich.“

A schüttelt heftig ihren Kopf und greift energisch nach der Proseccoflasche.

“Und nach dem vielen Stehen und schlechten Liegen müsste ich abends meine aufgequollenen Beine mit Thrombose-Strümpfen stützen, völlig uncool.“

“Genau“, klinke auch ich mich kopfschüttelnd ein, „Zweiundsiebzig Stunden Dauerbeschallung, besoffene Motorradfahrer, die über den Zeltplatz wüten plus zwanzigtausend hysterisch kreischende Teenies, ich würd’ dort Amok laufen.“

A nickt mir bestätigend zu, ich nicke bestätigend zurück. Wie die beiden Opas aus der Muppets Show, schießt’s mir durch den Kopf. Die sitzen auch immer auf ihrem Balkon, abseits vom Geschehen, und machen alles schlecht.

„Hier, trink!“, spricht S in meine Gedanken und hält mir ein Wasserglas halbvoll mit Grappa vor die Nase. „Heute brauchen wir mal was Härteres.“

Ich hab das Glas kaum an den Lippen, schreit mir Janis Joplin Cry Baby aus einer Lautsprecherbox, die K gerade in die Küche schiebt, ins Ohr. Sofort zappeln K und S rhythmisch um den Tisch. A und ich, die beiden Muppets Omas, wippen soft mit den Füßchen.

Zwei Wassergläser Grappa später sind auch A und ich enthemmt und der Küchentisch auf die Seite gestemmt. DJane K heizt uns immer kräftiger ein, S schenkt immer schneller nach. Bei TNT von AC/DC knien A, K, S und ich auf dem Boden, zerren an der E-Luft-Gitarre und werfen dabei ekstatisch unser wildes Haar vor und zurück. Die Fenster sind weit geöffnet, auch die Nachbarn sollen unsre Sangeskunst genießen. Als dann kurz nach Mitternacht die Polizei vor der Tür steht und reichlich irritiert den Weiberhaufen verschwitzter Mitdreißigerinnen betrachtet, fühle ich mich – ungelogen – keinen Tag älter als fünfundzwanzig.

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